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Irak, 2004. Für 24 Stunden ruhen in der Rebellenhochburg Falludscha die Waffen, für den deutschen TV-Journalisten Oliver und Kameramann Ralf die einmalige Chance auf eine Exklusiv-Story: Von Bagdad aus begleiten sie Kim, die Logistikerin einer Hilfsorganisation, und den Arzt Alain bei einem Medikamententransport in die belagerte Stadt. WAFFENSTILLSTAND ist Abenteuerfilm, Politthriller und Drama zugleich.

Ab 1. April bundesweit in den Kinos!

Spannung á la Hitchcock

Kunst zwischen Politik und Unterhaltung will Lancelot von Naso inszenieren – noch dazu mit Spannung: WAFFENSTILLSTAND handelt von deutschen Journalisten und freiwilligen Helfer im Irak.

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In Berlin wurde das ehemalige Tempelhofer Airport-Hotel für einen Tag zum Korrespondentenquartier in Bagdad – Lancelot von Naso bespricht eine Szene mit Hannes Jaenicke und anderen Schauspielern.

Statt vordergründige „Action zu zeigen, eine Spannung im hitchcockschen Sinne aufbauen“ will Lancelot von Naso. Der Absolvent der Münchner Filmhochschule inszenierte „Waffenstillstand“ nach mehrjährigen Vorarbeiten. Drehort für sein Kinodebüt über deutsche Journalisten und freiwillige Helfer im Irak war im vergangenen Oktober und November Marokko. Ein letzter Drehtag folgte Ende März in Berlin.

 Rebellenangriff in Falludscha
Rebellenangriff in Falludscha

Alain (Matthias Habich) während einer Kontrolle
Alain (Matthias Habich) während einer Kontrolle

„Es gibt immer ganz klar Unterhaltung oder Kunst oder Politik – aber im Zwischenbereich gibt es wenig.“ Die Lücke will Lancelot von Naso schließen: „Spannung ist ja nicht das, was passiert, sondern, dass man Angst davor hat, dass etwas passieren könnte.“ Eine kurze Waffenruhe zwischen Rebellen und US-Army in Falludscha ist Anlass für den Reporter Oliver (Max von Pufendorf), seinen Kameramann Ralf (Hannes Jaenicke) zu überreden, sich einem Medikamententransport anzuschließen. Im Kleinbus machen sie sich mit den Medizinern Alain (Matthias Habich) und Kim (Thekla Reuten) und dem irakischen Fahrer (Husam Chadat) auf den Weg. Während der Fahrt wird die Bedrohung immer greifbarer – sie werden von beiden Seiten beschossen. Als eine Ziegenherde die Wüstenpiste kreuzt, erreicht die Angst einen Höhepunkt. In Falludscha finden sie das Behelfskrankenhaus zerstört vor; vielen Verletzten kann nur in der Hauptstadt geholfen werden …

Straßensperre in Bagdad
Straßensperre in Bagdad

„Waffenstillstand“ spielt in weiten Teilen in dem Kleinbus. Ein Roadmovie? Lancelot nennt ihn einen „modernen Postkutschenfilm“. Der Zuschauer erlebt den Trip von fünf Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Einstellungen durch ein Kriegsgebiet aus der Perspektive der Reisenden. „Wir haben versucht, viel aus dem Autofenster heraus zu filmen. Damit man als Zuschauer mit den Figuren diese Reise mitmacht“, berichtet Lancelot von Naso. Das Spielfahrzeug wurde mit einem Rig aus Rohren umbaut, so dass Kamera und Licht flexibel positioniert werden konnten und der Wagen während des Drehs gefahren werden konnte. Kameramann Felix Cramer ergänzt: „Je subjektiver man diesen Film erzählt, desto näher ist man an der Situation dran. Wir haben uns immer mit den Schauspielern bewegt, um das Gefühl des immer auf der Hut seins zu vermitteln.“

Oliver (Max von Pufendorf) und Ralf (Hannes Jaenicke) im zerstörten Krankenhaus in Falludscha
Oliver (Max von Pufendorf) und Ralf (Hannes Jaenicke) im zerstörten Krankenhaus in Falludscha

„Die visuelle Kraft der Motive ist wichtig, um trotz der bescheidenen Mittel einen Kinofilm zu erzählen“, meint Lancelot von Naso. Drehorte, die sich mit wenigen Eingriffen der Setdesigner in glaubwürdige Irak-Schauplätze verwandeln ließen, wurden in aufwändiger Recherche in Marokko gefunden. Allerdings machten unerwartete heftige Regenschauer einen Strich durch den Drehplan. Mehrfach musste das Team umziehen, weil der ursprünglich ausgesuchte Ort unter Wasser stand. Dies gelang, weil Lancelot von Naso Tausende Set-Fotos mit ihren GPS-Daten archiviert hatte. Obendrein hatte eine US-Produktion die für die ersten Produktionstage in Casablanca geplanten Drehorte flächendeckend „weggekauft“; gegen die Angst der Motivgeber um ihr Geld half auch keine Drehgenehmigung. Das Wetter, Erkrankungen von Schauspielern und des Regisseurs und Materialschäden aufgrund der langen Transportwege sorgten dafür, daß die 29 geplanten Drehtage überschritten wurden und Anfang Januar in Marokko nachgedreht werden mußte.

Dreharbeiten in Casablanca
Dreharbeiten in Casablanca

Super16 erwies sich für Felix Cramer als das „ideale Format“ – schon wegen der vielen bewegten Aufnahmen und den Autofahrten, bei denen die Technik starken Erschütterungen ausgesetzt war. Wärme und Staub bestätigten ihn in der Entscheidung, mit zuverlässigen Filmkameras statt auf Video zu drehen. „Wenn man unter Bedingungen dreht, die nicht immer kontrollierbar sind, wenn man mit verschiedenen Lichtsituationen und Wetterbedingungen umgehen muss – was wir nicht erahnt hatten – haben wir in der Postproduktion noch alle Möglichkeiten“ – unabhängig von Datenstrukturen und Kameraeigenschaften, so Felix Cramer.

Andernorts dreht Kameramann Felix Cramer die Ziegenherde.
Andernorts dreht Kameramann Felix Cramer die Ziegenherde.

Ziemlich nah: DoP Felix Cramer und Schauspieler Husam Chadat
Ziemlich nah: DoP Felix Cramer und Schauspieler Husam Chadat

Falcom Media wird den mit knapp 1,7 Millionen Euro budgetierten Film, an dessen Drehbuch der ehemalige Kriegsberichterstatter Collin McMahon mitarbeitete, in die Kinos bringen. Der Starttermin steht noch nicht fest. Waffenstillstand wurde von Drife Deyle & Richter Fimproduktion in Koproduktion mit DCM Mitte Productions, Erfttalfilm, Creado Film und König Filminvest produziert, beteiligte Sender sind das ZDF und Arte.

Peter Dehn